Wandern auf Gozo

Eine wunderschöne Inselwanderung, allerdings mit kleinen Hindernissn: Victoria - Xewkija - Mġarr Ix-Xini - Ta' Ċenċ - Sannat - Fontana

An meinem letzten Tag auf Gozo wollte ich mir die Rotunda-Kirche San Gwann Battista in Xewkija, die ich bereits von vielen Punkten der Insel aus der Ferne gesehen hatte, endlich von Nahem betrachten. Bei einem Blick auf die Karte schien es mir naheliegend, danach nach Mġarr Ix-Xini, einer Bucht, die ich auch noch nicht kannte, und von da aus nach Mġarr zu gehen, um von dort mit dem Bus zurück nach Victoria zu fahren. Es sollte ein gemütlicher Abschluss meiner Reise werden, aber da die Wirklichkeit oft anders aussieht als die Landkarte, musste ich meine Pläne ändern. 

Victoria - Xewkija 

Xewkija erreichte ich recht zügig auf einer ruhigen Straße, die rechts neben der St. Francis Church in Victoria beginnt. Die Kirche mit der riesigen Kuppel sah ich schon von Weitem, fand sie aber nicht, als ich im Ort angekommen war. Ich irrte durch die zahlreichen Gassen, sah sie mal wieder, verlor sie wieder hinter Häusern aus den Augen, schien ihr aber immer näher zu kommen. Ehrlich gesagt, ich traute mich nicht, jemanden zu fragen, wie man zu diesem bekannten Bauwerk gelangt. Als ich sie in voller Pracht endlich vor mir sah, war ich sehr beeindruckt. Die Kuppel ist höher als die des Mosta Domes und wirkt fast ebenso riesig.

Xewkija Dome (San Ġwan Battista)

Ich setzte mich in die Kirche, um einen ersten Eindruck des Inneren zu gewinnen, und bald darauf kam ein Priester, der mir ein Faltblatt gab, in dem alles über den Neuaufbau von 1951 – 1971, den die Dorfbewohner selbst bewältigten, stand. Er erklärte mir noch Einiges zum Inneren und führte mich dann zu einem Lift, mit dem ich bis unterhalb der Kuppel fuhr.

Der Ausblick über die ganze Insel, den ich von hier aus hatte, war einfach nur traumhaft. Es herrschte eine ziemlich klare Sicht, nur Malta schien sich wie immer in den vergangenen Tagen unter einer Dunstglocke zu befinden. Entlang der Plattform führten sogar Wegweiser mit Hinweisen wie „Forget your trouble and admire God’s creations“. Hier oben, ich war übrigens ganz alleine, hielt ich mich recht lange auf, machte viele Fotos, genoss die Aussicht und dachte über die creations nach.

Heliport Gozo 

Nach einigen Innenaufnahmen setzte ich meinen Weg auf einem kleinen Weg Richtung Heliport fort. Zur Orientierung hatte ich den Santa Celia Tower, zu dem ich aber nicht mehr lief. Der Heliport war verschlossen, und so ging ich gleich ein paar Meter weiter bis zu einer T-Kreuzung, auf der sich ein kleiner Brunnen befindet.

Und nu?

Hier begann auf einmal alles anders auszusehen als auf der Karte. Ich wählte einen Vertrauen erweckenden Weg, der hinunter zur Bucht zu führen schien. Der wurde aber immer schmaler und landete irgendwann in den Felsen. Da hatte ich erstmals einen wunderbaren Blick auf die Bucht, und es ankerte sogar ein Zweimaster darin! Richtig romantisch.

Bucht von Mġarr ix-Xini

Obwohl ich später ziemlich nah an das Schiff herangekommen war, konnte ich nicht ausmachen, ob es zur Captain Morgan-Flotte gehörte. Touristen wurden jedenfalls nicht zum Baden herausgelassen.

Auf dem Weg über Stock und Stein nach unten war mir schon klar, dass ich diesen Weg nicht zurückgehen würde und somit Mgarr und der Bus abgehakt waren. Endlich unten, beneidete ich einige wenige Schwimmer und Taucher, die die ganze Bucht für sich alleine hatten. Die Farben des Wassers waren übrigens ähnlich wie in der Blauen Lagune.

Wie zwei Auto da unten hin gelangt waren, blieb mir ein Rätsel, bis ich ganz am Ende der Bucht einen Schotterweg münden sah – offensichtlich hatte ich den falschen Weg gewählt.

Ich kraxelte dann auf die andere Seite der Bucht hinauf, um schließlich vor einem Stück hoher Steinmauer und Kakteen zu stehen ohne Aussicht, die überwinden zu können.

Letztendlich fand ich eine Stelle, wo die Kakteen niedriger waren, und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich eine Kleinere in einem Akt der Verzweiflung platt trat, um endlich aus der Wildnis herauszukommen. (Nachdem ich erstmals Wanderschuhe mit auf die maltesischen Inseln genommen hatte, erwäge ich nun auch das Mitführen einer Machete.)

Ob ich mich danach auf einem Privatgelände befand, weiß ich nicht, auf jeden Fall stand da plötzlich ein rundes Gebäude mit Garten, aus dem ich schleunigst verschwand. Hier war glücklicherweise nur eine niedrige Mauer.

Nebenbucht 

Nun führte eine gemütliche Steintreppe hinunter zu einer kleinen Nebenbucht. In den Nischen in den Felsen standen sogar einige Sonnenliegen, und eine (geschlossene) kleine Strandbar gab es auch.

Später erfuhr ich, dass dieser Teil vom Hotel Ta’ Cenc bewirtschaftet wird. Und von da aus ist der Weg auch ganz einfach! Zwei Damen hatten die kleine Nebenbucht ganz für sich allein, und hier hängte ich meine Beine ins Wasser (Schwimmzeug hatte ich an dem Tag nicht mitgenommen).

Dann machte ich es mir auf einer Liege bequem und bekam noch Gesellschaft von einem Schweizer Ehepaar, das mir zu meiner Erleichterung bestätigte, dass es nach Ta’Cenc eine kleine Straße gäbe.

Ta' Ċenċ

Mit Wasser und Keksen gestärkt, nahm ich den Weg, der zunächst stetig bergan führte, und ich nahm mir vor, in Ta Cenc in einem Restaurant, dessen Namen ich vergessen habe, etwas zu essen und dort den Bus zu nehmen. Restaurant geschlossen, Bus fuhr nicht mehr, Hotel schon passiert. Ein Taxi für die letzten vier Kilometer war mir zu blöd.

Über Sannat nach Fontana

Also weiter per pedes nach Sannat, das ich bereits kannte. Dort wieder Rast auf den Stufen im Schatten der Kirche und ab Richtung Fontana, nur noch auf Straßen, die aber sehr ruhig waren. Sogar an einem Feld mit Weinreben - glaube ich jedenfalls - kam ich noch vorbei, und an meinem letzten Tag sah ich das Kloster auf diesem Wege endlich einmal von der Rückseite.

Zurück im Kloster 

Als ich das Kloster erreichte, waren wieder einmal sechs Stunden vergangen, die sich aber gelohnt haben. Manchmal sind es die ungewollten Umwege, auf denen man die schönsten Eindrücke bekommt.

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*g* Die Machete im Gepäck würde Dir nur Schwierigkeiten machen - deponier sie also lieber irgendwo am Wegesrand!

Veronika :-)