Wanderung Victoria - Ggantija – Xaghra – Calypso’s Cave und zurück

Angesicht der ersten Schneefälle dieses Jahres in der kalten Heimat ist es kaum zu fassen, dass es erst wenige Wochen her ist, als ich die Sonne Gozos genießen durfte, und so schwelgte ich heute in Erinnerungen an eine schöne und interessante Wanderung.

Zu den Ggantija Temples

Mein Start an jenem Morgen erfolgte wie immer im Kunvent Santu Wistin in Fontana und sollte mich bis zur Ramla Bay führen. Ich war froh, als ich die Triq ir Repubblika und später die Triq Fortunato Mizzi samt Straßenlärm endlich verlassen konnte und eine ruhige, mit Bäumen und blühenden Gewächsen bepflanzte Straße Richtung Xaghra erreichte. Die Aussicht auf den imposanten Xewkija Dome begleitete mich von nun an, und ich widerstand der Versuchung, einen kurzen Abstecher dorthin zu machen, nahm mir jedoch vor, diesem Bauwerk an einem anderen Tag unbedingt einen Besuch abzustatten. Auch den Race Course ließ ich unter mir links liegen und erreichte schon nach einer dreiviertel Stunde die Tempel von Ggantija. Es war noch früh und nur wenige Besucher waren dort, aber ich war zunächst ein wenig enttäuscht, weil ein Teil der Anlage von einem Gerüst eingezäunt und nicht begehbar war. Insgesamt hatte ich mir - Nomen est Omen - die Stätte riesiger vorgestellt. Trotzdem gab es viel Interessantes zu sehen und ich blieb recht lange auf dem Gelände auf, bevor ich weiter nach Xaghra ging.

Xerries Grotto in Xaghra

Dort stieß ich gleich auf das Windmühlenmuseum, das ich mir jedoch nur von außen ansehen konnte; es hatte geschlossen – und war mit einem Gerüst versehen.

Auf dem Weg zur Kirche – natürlich konnte man auch dieses Gotteshaus nicht ohne Autos davor fotografieren – erweckte ein Wegweiser zu „Xerri’ s Grotto“ meine Neugier. Klar, ich hatte im Reiseführer von einer Tropfsteinhöhle gelesen. Um zig Ecken herum gelangte ich auch zur der Höhle und war erleichtert, als ich dort ‚open’ las. Ich schellte, aber nichts tat sich. Als ich schon den Rückzug antreten wollte, kam langsam eine ältere Dame auf mich zu, die sich als Ehefrau des Besitzers der Höhle vorstellte und mich nach Entrichtung eines Obolus von 1.50 Euro hinunter  führte. Da war tatsächlich eine echte Tropfsteinhöhle, was ich auf Gozo gar nicht vermutet hätte. Zwar ist sie von der Größe her nicht zu vergleichen mit unseren Tropfsteinhöhlen im Sauerland, aber es gefiel mir trotzdem gut dort unten. Die Dame erzählte mir, wie der Großvater ihres Ehemannes diese Höhle 1923 unter seinem Haus entdeckt und eigenhändig ausgegraben hatte. Und wie es auch in den Sauerländer Höhlen der Fall ist, zeigte sie mir etliche Figuren, die man in den Stalaktiten und Stalagmiten erkennen können sollte. Lustig war, dass sie diese Figuren alle in Deutsch benennen konnte. Ich bemühte meine Phantasie, auch etwas in diesen Gebilden zu sehen. Nun ja, zu Hause auf den Fotos konnte ich bis auf ein Schaf nichts mehr in den Tropfsteinen erkennen.

Calypso’s Cave und Ramla Bay von oben

Aus der angenehmen Kühle der Höhle ging es bei ca. 26°C langsam hinauf zur Calypso Cave.

Als Städtchen gefällt mir Xaghra richtig gut; ich passierte einige schöne Gassen und Häuser, bevor ich wieder Meer und Grün sah. Auf dem Weg beeindruckte mich die Sicht bis nach Nadur und Qala zur einen und auf die Klippen zur anderen Seite, viel mehr aber noch der Blick hinunter zur Ramla Bay, nachdem ich die Höhle erreicht hatte. Dort oben trieb sich gerade eine Touristengruppe samt Chauffeur herum, und als sie endlich verschwunden war, ließ ich mich auf einer Bank nieder, aß und trank ein wenig und genoss einfach nur die Aussicht. Dabei beobachtete ich einige Leute, die hinunter zum Strand gingen, und bei der Vorstellung, diesen Weg bei inzwischen gefühlten 30°C wieder hinauf gehen zu müssen, verging mir so langsam die Lust auf ein kühles Bad. Ich entdeckte noch einen einsamen Wanderer, der querfeldein einen Weg ging, den ich auch erspäht hatte, der aber irgendwann umkehrte – Glück gehabt, Mühe erspart.

Ach ja, Calypso’s Cave ist völlig unspektakulär, eine kleine Höhle eben. Mit einem etwas wehmütigen Blick auf die wunderschönen Farbspiele des Meeres stieg ich die kleine Treppe hinunter zum Weg und ging ich zurück nach Xaghra mit dem Vorsatz, ein paar Tage später mit dem Bus zurückzukehren und dann die Ramla Bay samt Wasser zu genießen.

Von Bussen und Fahrplänen und Zitadellen

Mit den Bussen auf Gozo hatte ich fast immer Pech; nie fuhren sie, wenn ich gerade einen gebraucht hätte.

Auch in Xaghra hätte ich zwei Stunden warten müssen, um bequem nach Victoria zurückkehren zu können. Ich streunte noch ein wenig durch den Ort, nahm dann aber doch den direkten Weg nach Victoria zurück, wobei ich schon bald von Weitem die Zitadelle sah und mich darüber freute, wie sie immer näher kam. Wieder auf der Triq Fortunato Mizzi saß eine Bielefelder Familie völlig erschöpft unter einem Baum und fragte mich, ob das Gebäude dort hinten die Zitadelle von Victoria sei und die Häuser schon zu Victoria gehörten. Grins – so groß ist die Auswahl an Zitadellen ja nicht. Die vier Leute verbrachten ihren Urlaub auf Comino, waren zu Fuß von Mgarr gekommen und suchten nun dringend eine Pizzeria. Es tröstete mich, dass es noch andere Menschen gab, die bei inzwischen gefühlten 35°C durch die Gegend latschten. Für den Rückweg zeigte ich ihnen noch den Bus Terminus und schwor mir, zukünftig selber die Buspläne vorher zu studieren.

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